Aus mundartlichen Fragen an die Hotline gibt es Beiträge. Toll ist das mit den (oft negativen) Adjektiven, die plötzlich positiv gebraucht werden können. Das hat die Geschichte von R.S. aus S. gezeigt, der einen Oberländer kannte, der immer «seera» war.
Seer heisst auf Senslerdeutsch «wund, schmerzend». Er ist seera am Arm, er hat also «eine schmerzende Wunde oder Schürfung». Man findet Spuren dieses mittelalterlichen Worts in versehren oder unversehrt, englisch sore «wund, schmerzend». Auch Hochdeutsch sehr ist verwandt und nur noch Verstärkungswort bekannt: sehr gut, sehr passend, sehr hässlich.
Viele Verstärkungswörter waren einst heil-los negativ. Schuderhaft, schampaar, sackermeessig, chiibe, gruusam, heiloos, moordio, u, huure, gruusig, monschtröös, mörderlich, määrterlich oder verfluecht schön. Alle werden mittlerweile auch neutral und positiv gebraucht. Sogar gottlos!
Natürlich gibt es solche Verstärkungen nicht nur im Senslerdeutschen, sondern im ganzen deutschen Sprachraum. Nicht überall dieselben: Ostschweizer choge (ursprünglich von Chog «Aas» wie unser Flaag oder Chiib) hat es nicht zu uns geschafft. Englisch awesome oder terribly funktionieren nach dem gleichen Muster. Die Welschfreiburger haben von uns Verstärkungen übernommen: une monstre église können sie sagen, ohne dass der Exorzist in jene Kirche gerufen werden muss. So eine monstre église ist ja auch einfach nur gruusam-gross.
Und gerade habe ich einen jungen Sensler gehört: Dasch chrank geil! Und ich habe nachgefragt: Das ist wirklich so richtig positiv. 😉